Herr Hager
Lehrer für Geschichte und Philosophie
 
 

Leben schenken und bewahren

Ein Essay zur Frage: „Was ist der höhere Zweck meines Lebens?“

von Rebecca Rother (13. Jahrgang, Schuljahr 2025/26), 18.02.2026


Was ist der Sinn meines Lebens? Ich glaube, die Frage stellt sich jeder Mensch, denn wozu leben wir überhaupt? Wirklich beantworten kann man die Frage nicht. Ich persönlich sehe keinen Sinn im menschlichen Leben an sich, da das menschliche Leben durch einen biologischen Zufall entstanden ist. Doch der persönliche Sinn, der philosophische Sinn, ist da schon etwas anderes. Für mich stellt sich daher eher die Frage: Was fange ich mit meinem Leben an, sodass es mich erfüllt?


Ich glaube, mich erfüllt Leben. Nicht nur Leben zu schenken, sondern auch anderen zu helfen, ihr Leben zu erfüllen, denn was ist ein Leben ohne eine gewisse Füllung? Eine Praline ohne Creme innen darin ist auch keine richtige Praline.


Leben zu geben, ist etwas, was ich mir sehnlichst wünsche. Kinder zu bekommen und ihnen den Weg in das Leben zu leiten. Sie aufwachsen zu sehen und ihr Lachen zu hören. Kinder sind meiner Meinung nach das pure Leben. Sie sind so erfüllt, ohne sich je darüber Gedanken gemacht zu haben, sie sind so unschuldig und klein, sodass ich sie sofort mit meinem ganzen sein beschützen möchte. Leben geben ist wunderbar, fast schon magisch, wie kann es sein, dass in mir ein kleiner Mensch entsteht, der mich von Grund auf lieben wird, weil ich dessen Mutter bin. Mein persönlicher Sinn also, ist an erster Stelle, Mutter zu sein, Leben zu schenken. Denn Leben ist wertvoll und kann einem schnell und brutal genommen werden. Auch durch andere Menschen oder gar sich selbst, wenn die Menschen nicht verstehen, wie wertvoll Leben ist. Leben ist unendlich, unendliche Möglichkeiten und Erfüllungen, die einen dazu bringen sein Leben wirklich und wahrhaftig zu leben. Nicht das groteske, pseudo-artige Leben, welches die Gesellschaft als Ideal vorspielt. Nein, ein echtes Leben, in dem es wertgeschätzt und genossen wird. In dem die Menschen sich ungezwungen fühlen und ihr Leben nach ihrem tiefsten Verlangen ausrichten. Und genau da möchte ich helfen. Nicht nur Leben zu schenken, sondern auch schon vorhandenes Leben zu wahren, gar zu verteidigen, vor den Dämonen in den Köpfen der Menschheit. Ich möchte Menschen helfen. Helfen zum eigenen Leben und sich selbst. Ob ich das als klinischer Psychiater tue oder als eine andere Art von Arzt oder so, ist mir noch offen. Menschen ihren Dämonen auszutreiben, ist zwar sehr metaphorisch gesprochen, aber es ist das, was ich tun will. Leben zu retten, erfüllt mich und Menschen zu helfen. Solche, die sich nicht selbst helfen können.


Ich glaube, dieser Wunsch kommt von eigenen Erfahrungen, und meinem eigenen verzweifelten Schrei nach Hilfe, während ich hoffte, dass irgendjemand mich hörte. Diesem verzweifelten Schrei nachzugehen ist mein Wunsch, denn ich sehe in jedem Menschen eine Form von mir, und dann tritt der Wunsch auf, diesem Menschen zu helfen.
Kinder ihren Lebensweg leiten und Menschen zu sich selbst finden zu lassen, ist eigentlich gar nicht so verschieden. Denn ohne zu sich selbst zu finden, wird niemand glücklich, nicht Kinder, egal wie gut ihre Eltern zu ihnen waren. Den Weg zu sich selbst muss man selbst finden. Auch ich bin noch auf der Suche, doch indem ich anderen helfe ihren Weg zu gehen, habe ich mein Ziel gefunden. Glückliche Menschen sind wundervoll, wenn sie das Leben genießen, wenn sie sich selbst und andere genießen.


Unsere Gesellschaft ist erkrankt, nicht an einer körperlichen, sondern an einer psychischen Krankheit. Unser Alltag ist ungemein schnelllebig und hetzend. Was auch durch Social Media begünstigt wird. Wir sind es nicht mehr gewöhnt die kleinen Dinge zu genießen, wir wollen mehr und mehr. Der Mensch ist gierig geworden und gibt sich nicht mehr mit dem zufrieden, was er hat. Und daran sind wir alle erkrankt. Der Mensch muss lernen, das anzuerkennen, was er hat. Nein, denn der Mensch ist so unzufrieden mit sich selbst, dass er es ignoriert, weil er sich sonst seinen Gefühlen stellen muss. Und für Gefühle bleibt heutzutage, weder Platz noch Zeit noch Energie oder Denkkapazität.


Und an dem Punkt möchte ich ansetzen, denn ich möchte etwas Nachhaltiges bewirken, was die Menschheit weiterbringt. Vielleicht eher zurückwirft in eine bessere Zeit. Wir haben Tausende Suizide pro Jahr, aber weshalb genau, kann man den Menschen nicht helfen zu sehen, was sie haben? Die meisten Menschen, die ich bisher kennenlernte, schauten nur darauf, was sie nicht haben, und da liegt der Kern der Krankheit. Reicht nicht das Haus, in dem man wohnt, reicht nicht ein Auto, an dem zahlreiche Erinnerungen hängen? Nein, weil die Menschen sich mit materiellen Dingen von ihren Gedanken und Gefühlen ablenken. Und dann kochen die Gefühle irgendwann über und man tut sich etwas zuleide, oder im schlimmsten Fall auch noch anderen. Sobald Menschen dies erkennen, kann der Heilungsprozess unserer Gesellschaft starten. Doch erst einmal müssen die Menschen verstehen, woran sie erkrankt sind, und dabei muss man ihnen helfen. Um ihr Leben zu bewahren und das anderer.


Mein Sinn im Leben ist das Leben selbst. Leben zu schenken, zu erschaffen und Leben zu bewahren.